THE TEA CHARIOT
Do. 23. Juli 2026 · Dominikanerkirche · 19:00 Uhr
THE TEA CHARIOT
INSTALLATION VON RAFRAM CHADDAD, AMELIE SEEGER, SEBASTIAN GIUSSANI
In der ehemaligen Dominikanerkirche St. Magdalena, im historischen Herzen Augsburgs, entsteht während des Water & Sound Festivals eine begehbare Kunstinstallation zum Leitmotiv »Waterways – Canals, Sea Routes, Empire«.
Im Zentrum steht eine lebende Teepflanze in einem gläsernen Kasten, einer Wardian Case, umgeben von Klang, Kartografie, Licht und Raum.
»The Tea Chariot« ist eine prozessorientierte Zusammenarbeit des in Tunis und Turin arbeitenden Künstlers Rafram Chaddad, des Augsburger Künstlers Sebastian Giussani, der Bühnen- und Kostümbildnerin Amelie Seeger und Girisha Fernando, der das Projekt konzeptionell begleitet. Gemeinsam entsteht eine skulpturale und klangkünstlerische Arbeit, in der Tee als botanischer Protagonist der Globalisierung erscheint: als Pflanze, die Ozeane und Kanäle durch Handel, Spionage, Diebstahl, Kolonialismus und Ritual überschritten hat. An der Schnittstelle von Skulptur, Klanginstallation, Licht und Bodenmapping entsteht ein dichtes Geflecht aus Bild, Raum und Klang.
Die Installation macht sichtbar und erfahrbar, wie Globalisierung, botanische Spionage und Wasserwege miteinander verflochten sind.
Wardian Case, Tee-Diebstahl und Dominikanerkirche
Ausgangspunkt der Installation ist eine Teepflanze in einem Terrarium, inspiriert von der historischen Wardian Case. Dieses geschlossene Glaskasten-System revolutionierte ab 1829 den weltweiten Transport lebender Pflanzen, da es ihre Überlebenschancen auf langen Schiffsreisen erheblich erhöhte. Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte der schottische Botaniker Robert Fortune diese Technik im Auftrag der britischen East India Company für eine illegale Operation:
Unter Umgehung chinesischer Ausfuhrverbote schmuggelte er tausende Teepflanzen und -samen aus China nach Indien.
Mit dieser Operation sollte das massive Handelsdefizit Großbritanniens gegenüber China verringert werden, das vor allem durch Teeimporte entstanden war und bereits zu den Opiumkriegen beigetragen hatte. Auf Grundlage dieses Pflanzentransfers entstanden die Teeplantagen in Assam und Darjeeling, die China als führende Tee-Exportregion allmählich ablösten. Tee wurde so zu einem Schlüsselprodukt globaler Verflechtung, mit tiefgreifenden Folgen für Wasserwege, Handelsrouten, Arbeitsregime, Landschaften und Alltagsrituale. In St. Magdalena wird das Terrarium als zentraler Körper der Installation wie eine Reliquie positioniert. Es ist umgeben von einer großflächigen Bodenarbeit, die imperiale Handelsrouten als Kartografien globaler Extraktion sichtbar macht, sowie von einer immersiven Klanginstallation. Die Geschichte der Kirche als Ort religiöser Autorität, und patrizischer Repräsentation wird dadurch subtil befragt und durch pflanzliches Leben, Klang und Kartografie neu gelesen.
Öffnungszeiten:
Fr. 24.7. – So. 26.7. und Mi. 29.7. – Sa. 1.8.,
je 13:00 – 18:00 Uhr
Eine Beauftragung von »BBK – Verbindungslinien« aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst des Staatsministeriums.
Mitwirkende:
Rafram Chaddad
Rafram Chaddad, geboren auf der tunesischen Insel Djerba, ist Künstler und arbeitet zu persönlichen Erinnerungen sowie zu gesellschaftspolitischen Themen wie Migration, Vertreibung, Identität und Zugehörigkeit. Er realisierte zahlreiche Kurzfilme und Installationen, die international in Kulturinstitutionen, Galerien und Museen gezeigt wurden, darunter Kunst im Tunnel Düsseldorf, Kunstraum New York, Kayu Lucie Fontaine Gallery in Bali und Mailand, ArteEast Foundation New York und Halle 14 Leipzig. Seit 2021 ist Chaddad Gastkritiker im MFA-Programm der Columbia University.
Sebastian Giussani
Sebastian Giussani ist ein vielfach ausgezeichneter bildender Künstler und Musiker, der in Augsburg lebt und arbeitet. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und ist seit vielen Jahren als freischaffender Künstler tätig. Sein Werk umfasst Sound- und Klanginstallationen, Kunst am Bau, raumgreifende Installationen sowie musikalische und performative Projekte.
Amelie Seeger
Amelie Seeger ist seit 2018 als Bühnen- und Kostümbildnerin tätig. Sie studiert Bühnen- und Kostümbild an der Akademie der Bildenden Künste München. Eigene Arbeiten und künstlerische Mitarbeit führten sie u.a. ans Staatstheater Augsburg, zum freien theater ensemble e.V., ans HochX München, an die Bayerische Theaterakademie August Everding, ans Residenztheater München und ans Thalia Theater Hamburg. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Recherche und persönlicher Sinneswahrnehmung: Inszenierte Räume versteht sie als Orte sinnlicher Erfahrung, in denen sich das Publikum inhaltlich, sensorisch und emotional zu einem Thema in Beziehung setzen kann.
Illustration oben: Amelie Seeger
Fotos unten v.l.n.r.: Molka Kortebi, Sebastian Giussani, Elisabeth Nittka