WATER AND SOUND
23.7.- 1.8.2026 in Augsburg | Festival für globale Musik | Kunst | Performance | Panels | Wasser
„Ein gewaltiges Wasser- und Musik-Rauschen, das Augsburg zur Welt hin öffnet.” (Süddeutsche Zeitung)
Das Water & Sound Festival richtete 2026 den Blick auf Wasserwege: von den Kanälen der europäischen Industriekultur zu den Seerouten der imperialen Mächte und in die Zeit der Kolonisierung. „Auf diesen Routen entstand die Welt, in der wir heute leben. Globale Vernetzung, Handel, Migration, Ökonomie – ihre Auswirkungen sind allgegenwärtig. In dieser gemeinsamen Geschichte liegen Schönheit und Brutalität oft dicht beieinander. Erst die Wahrnehmung dieser Komplexität kann eine echte Transformation ermöglichen“, so der künstlerische Leiter Girisha Fernando. Was als Frage nach Historie und Herkunft begann, wurde beim Water & Sound Festival zu einem gemeinsamen Erleben von globaler Musik, Kunst und Diskurs mit einem begeisterten Publikum.
Die ehemalige Dominikanerkirche St. Magdalena war Ausgangspunkt und immer wieder Dreh- und Angelpunkt des Festivalgeschehens: „The Tea Chariot“ von Rafram Chaddad, Amelie Seeger und Sebastian Giussani machte eine lebende Teepflanze im gläsernen Wardian Case zum Kern einer begehbaren Klang- und Raumarbeit über botanische Spionage, koloniale Handelsrouten und globale Verflechtung. Die Tee-Workshops führten von Darjeeling über Tunesien und die Sahara bis zum GongFu-Cha-Ritual. Zu später Stunde verwandelten die Klänge des Londoner Streicher-Duos Balladeste die Dominikanerkirche in einen wahrhaft magischen Ort.
Einer der Höhepunkte war „Waterways Re:Imagined“, die Eigenproduktion des Festivals im Parktheater. Den Auftakt machte ein Gespräch mit Bestsellerautor Sathnam Sanghera über Wasserwege, das British Empire und seine Auswirkungen auf die Gegenwart. Laura Misch formte aus Saxofon, Stimme, Elektronik und Field Recordings von Flüssen und Kanälen atmosphärische Songs, Ganavya verband karnatische südindische Gesangstradition, Improvisation und zeitgenössische Klangräume und ließ das Publikum tief bewegt zurück. Beide Künstlerinnen wurden vom Water & Sound Ensemble mit eigens für den Abend geschriebenen Arrangements begleitet.
Der Annahof zeigte sich erneut als Bühne für aktuelle Strömungen der globalen Musik – und gleichzeitig als offener Begegnungsraum der Stadtgesellschaft. Roshko eröffnete zwischen Jazz, Pop und Soul, Meral Polat spannte anatolischen Folk, kurdische Lyrik, Jazz und Rock zusammen, Mari Froes begeisterte den dichtgepackten Annahof mit ihrer Version der Música Popular Brasileira. Am Finalabend legten The Cavemen. eine beeindruckende Performance im Duo aus Bass und Gesang vor, Melina bezauberte zwischen Rebetiko, Balkan-Elementen und Pop, und BCUC aus Soweto machten aus afrofuturistischem, rituellem Psychedelic-Sound ein kollektives, intensives Erlebnis. Die Bühne am Kuhsee erfreute sich wieder großer Beliebtheit: ein lauer Sommerabend direkt am Wasser, mit den Daraa Tribes aus dem Süden Marokkos, Amazigh-Gesängen, Gnawa-Rhythmen und Saharablues – erstmals gemeinsam mit der Sängerin Lala Tamar.
Der diskursive Strang verankerte das Thema historisch: Ein Panel an den Wassertürmen und im Handwerkerhof brachte die Expert*innen Luminita Gatejel, Davide Martino und Hajra Haider Karrar ins Gespräch über Wasserwege, Macht und Erinnerung. In der Stadtbücherei las die Panjabi-Dichterin Rupinder Kaur Waraich aus Birmingham und sprach mit Katja Sarkowsky von der Universität Augsburg über Identität, Migration und die Flüsse Panjabs, die für sie untrennbar mit kolonialer Geschichte und Gewalt gegen Frauen verbunden sind: „The water allows the words to flow.“ Am Ende wurde der Austausch mit dem Publikum selbst zum Teil des Abends. Die neukonzipierten Führungen des UNESCO-Welterbe-Büros machten das Augsburger Wassermanagement-System an Hochablass, Rotem Tor, Trinkwasserwerk, Singold und im Siebentischwald unmittelbar erlebbar. Zum Abschluss des Festivals zog die Parade des Wasservogels vom Schaezlerbrunnen im Siebentischpark entlang der Kanäle und durch die Altstadt in die Innenstadt, begleitet von den Waterbirds: ein festes, unverwechselbares Ritual des Festivals.